Pferdefütterung

Die Fütterung von Hafer

Heute widmen wir uns der Haferfütterung 

Der Hafer ist das am meisten verbreitetste Getreide in der Pferdefütterung. Er ist nicht nur einfach in der Verabreichung, sondern hat auch eine hohe Verdaulichkeit für das Pferd.

`Den sticht doch der Hafer!´ 

Eine Redewendung die viele Besitzer dazu veranlasst zu denken, dass Hafer ihr Pferd verrückt und weniger kontrollierbar macht. In den unzähligen Jahren der Haferfütterung konnte das jedoch bisweilen auch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Warum also auf dieses qualitativ hochwertige und kostengünstiges Futtermittel verzichten? 

Hafer enthält neben wichtigen essentiellen Aminosäuren auch jede Menge ungesättigte Fettsäuren sowie durch den Spelzenanteil reichlich Schleimstoffe.

Es gibt sehr viele verschiedene Hafersorten auf dem Markt. Unser klassischer Hafer in der Fütterung ist meistens Gelbhafer mit einer normalen Form. Haferkörner aus dem höheren Norden kann man gut an den eher runden Körnern erkennen. Mittlerweile auch sehr beliebt ist der Schwarzhafer aufgrund seines höheren Litergewichts, das heißt man deckt den Bedarf mit einer geringeren Menge des Futtermittels ab.  allerdings ist der Hafer aber auch teurer in der Anschaffung und man muss darauf achten, dass das Litergewicht auch tatsächlich höher ist. Es wird nur durch den Anbau in südlicheren Ländern wie Frankreich und der dadurch bedingten höheren Sonneneinstrahlung erreicht.

Die Haferqualität:

Auch die Qualität von Hafer kann man an einigen Parametern festmachen damit du einen besseren Überblick bekommst habe ich sie dir aufgelistet.

Farbe: 

  • Gelb, schwarz oder weiß
  • Farbveränderungen Richtung grau oder bräunlich sprechen in der Regel für ungünstige Ernte und oder Lagerung
  • Nicht ausgereifte Körner sind häufig grün
  • Komplett graue Körner sprechen für einen Schimmelbefall

Korngröße und Form:

  • Große und sehr runde Körner enthalten in der Regel den höchsten Nährstoffgehalt. Sie sind häufig aus nordischen Ländern.
  • Unser heimischer Hafer hat eine normale Korngröße und lässt sich gut in der Pferdefütterung einsetzen.
  • Sehr kleine und schmale Körner sind weniger gehaltvoll und auch ganz kleine Körner sprechen für eine schlechte Sortierung des Hafers.

Litergewicht:

  • <450gr  weniger gehaltvoll
  • 450-500gr  mittlere Sorten
  • >550gr  schwere Sorten
  • Achtung: gequetschter Hafer hat natürlich ein viel geringeres Litergewicht. zu einer richtigen Beurteilung muss er vor dem Quetschen gewogen werden.

Geruch:

  • Wird der Hafer nicht ordentlich gelagert oder weist sonstige Qualitätsmängel auf, kann er durchaus ranzig oder muffig riechen. Bei nass geworden Hafer kann der Geruch auch bis ins säuerliche gehen.

Verunreinigungen:

  • Hafer sollte immer nach der Ernte mehrfach gereinigt werden. Hierzu gehört das Sieben sowie Entstauben und mittlerweile gibt es sogar einige Firmen die den Hafer leicht einölen.
  • Verunreinigten Hafer erkennt man z.b. an Staub, Grannen, Steinchen, Mäusekot, Erde und sonstigen Verunreinigung. Auch verschiedene andere Pflanzen oder Samen sowie Mutterkorn können sehr schädlich bis giftig für Pferde sein.

Zusammensetzung: 

  • Die Inhaltsstoffe von Spelze und Korn sind pro Kilogramm z.b. 99g Rohfaser (Heu im Vergleich dazu hat die zwei bis dreifache Menge), 11,5 MJ (Megajoule) verdauliche Energie, 85g Rohprotein (Heu im Vergleich dazu hat in der Regel nur die Hälfte), als Mineralstoffe Phosphor, Magnesium, Kalium sowie Natrium und als essentielle Aminosäuren z.b. Methionin, Lysin und Tryptophan. 

Der Selbsttest:

  • Wenn du den Hafer selbst testen möchtest, sollte nach dem anfänglich mehligen Geschmack später eine Süße kommen, ähnlich wie wenn man Brot länger kaut. Sollte der Geschmack bitter sein oder bleiben könnte es an einer zu frühen Ernte, Verunreinigungen oder Pilzbefall liegen.

Die Haferfütterung:

Der Hafer kann entweder gequetscht oder im ganzen Korn verfüttert werden. Bei gequetschten Hafer muss man darauf achten, dass die Körner nicht zu fein gemahlen sind. Zum einen hat man dadurch eine höhere Staubentwicklung und zum anderen kann eine klumpige Menge im Magen entstehen.

Am Besten ist eine Mischung 1:1 aus ganzem und gequetschten Hafer. Der gequetschte Hafer ist leichter verdaulich und schneller verfügbar. Durch den ganzen Hafer muss das Pferd trotzdem noch etwas kauen und speichelt das Futter somit besser ein. Ein besseres Einspeicheln erhöht wiederum auch noch mal die Verdaulichkeit.

Wie viel Hafer ein Pferd bekommen sollte hängt ganz davon ab wie alt es ist, ob es noch in der Entwicklung steht und wie der Trainingsstand sowie die Arbeitsbelastung sind. 

Hier kann eine ordentliche Rationsberechnung helfen, denn durch Heu und Hafer ist heute gewiss nicht mehr alles an Nährstoffen abgedeckt und auch das sollte bei der Fütterung miteinbezogen werden. 

Ein Pferd im Aufbau oder Training benötigt für eine optimale Entwicklung seine persönliche Ration. Es stimmt nicht dass man viel Hafer füttert und die Muskeln dann einfach von selbst kommen. Genau das Gegenteil trifft nämlich dann ein, der Stoffwechsel wird belastet, der Körper übersäuert und die Muskulatur wird weniger gut ausgebildet. 

Des Weiteren muss man bedenken dass das Ca:P Verhältnis  sehr eng beieinander steht und ebenfalls durch andere Futtermittel ausgeglichen werden muss.

Du siehst also das ist nicht mit `ein Schippchen hier ein Schippchen da´ getan. Die Fütterung erfordert neben Know-how und Fingerspitzengefühl auch ein besonderes Interesse und ein über die Zeit geschultes Auge des Pferdebesitzers.

Bist du bereit? 

Alles Liebe 

Natalie

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