Hafer
Pferdefütterung

Die Fütterung von Hafer

Heute widmen wir uns der Haferfütterung. Der Hafer ist das am meisten verbreitetste Getreide in der Pferdefütterung. Er ist nicht nur einfach in der Verabreichung, sondern hat auch eine hohe Verdaulichkeit für das Pferd.

Das sind Voraussetzungen bei der Fütterung von Pferden, auf die man insbesondere im Profibereich nicht verzichten möchte. Bei der Wahl des Hafers sowie der Fütterung gibt es jedoch einiges zu beachten. Diesen Dingen gehen wir hier auf den Grund.

`Den sticht doch der Hafer!´

Eine Redewendung die viele Besitzer dazu veranlasst zu denken, dass Hafer ihr Pferd verrückt und weniger kontrollierbar macht. In den unzähligen Jahren der Haferfütterung konnte das jedoch bisweilen auch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Manchmal ist es sogar gegenteilig und Pferde mit Hunger oder Nährstoffmangel sind empfindlicher und hitziger als andere Artgenossen.

Dies gilt es von Pferd zu Pferd richtig abzuschätzen und letztendlich auszuprobieren. Mit ein paar Infos und Hintergrundwissen, vor allem zur Qualität, gelingt das jedem Pferdebesitzer. Pferdefütterung ist ausgesprochen wichtig und komplex, jedoch auch kein Hexenwerk.

 

Nur Wiese reicht meistens nicht aus. Die Fütterung ist ein komplexes Thema. © Natalie Maholick

Wenn also der Hafer ein seit Jahren beliebtes und bewährtes Futtermittel ist, warum auf diese qualitativ hochwertige und kostengünstige Quelle verzichten?

Hafer enthält neben wichtigen essentiellen Aminosäuren auch jede Menge ungesättigte Fettsäuren sowie durch den Spelzenanteil reichlich Schleimstoffe. Aminosäuren sind die kleinsten Eiweißeinheiten und können nicht vom Körper selbst produziert werden. Sie sind aber für die verschiedensten Abläufe im Körper notwendig und dürfen in der Fütterung nicht fehlen.

Es gibt sehr viele verschiedene Hafersorten auf dem Markt. Unser klassischer Hafer in der Fütterung ist meistens Gelbhafer mit einer normalen Form. Haferkörner aus dem höheren Norden kann man gut an den eher runden Körnern erkennen. Mittlerweile auch sehr beliebt ist der Schwarzhafer aufgrund seines höheren Litergewichts, das heißt man deckt den Bedarf mit einer geringeren Menge des Futtermittels ab.  Allerdings ist der Hafer aber auch teurer in der Anschaffung und man muss darauf achten, dass das Litergewicht auch tatsächlich höher ist. Es wird nur durch den Anbau in südlicheren Ländern wie Frankreich und der dadurch bedingten höheren Sonneneinstrahlung erreicht.

Welcher Hafer ist der Beste für Pferde?

Hafer ist nicht gleich Hafer: Was du über die Qualität wissen solltest!

Auch die Qualität von Hafer kann man an einigen Parametern festmachen damit du einen besseren Überblick bekommst habe ich sie dir aufgelistet.

Farbe:

  • Gelb, schwarz oder weiß
  • Farbveränderungen Richtung grau oder bräunlich sprechen in der Regel für ungünstige Ernte und oder Lagerung
  • Nicht ausgereifte Körner sind häufig grün
  • Komplett graue Körner sprechen für einen Schimmelbefall

Korngröße & Form:

  • Große und sehr runde Körner enthalten in der Regel den höchsten Nährstoffgehalt. Sie sind häufig aus nordischen Ländern.
  • Unser heimischer Hafer hat eine normale Korngröße und lässt sich gut in der Pferdefütterung einsetzen.
  • Sehr kleine und schmale Körner sind weniger gehaltvoll und auch ganz kleine Körner sprechen für eine schlechte Sortierung des Hafers.

Litergewicht:

  • <450gr  weniger gehaltvoll
  • 450-500gr  mittlere Sorten
  • >550gr  schwere Sorten
  • Achtung: gequetschter Hafer hat natürlich ein viel geringeres Litergewicht. zu einer richtigen Beurteilung muss er vor dem Quetschen gewogen werden.

Geruch:

  • Wird der Hafer nicht ordentlich gelagert oder weist sonstige Qualitätsmängel auf, kann er durchaus ranzig oder muffig riechen. Bei nass geworden Hafer kann der Geruch auch bis ins säuerliche gehen.

Verunreinigungen:

  • Hafer sollte immer nach der Ernte mehrfach gereinigt werden. Hierzu gehört das Sieben sowie Entstauben und mittlerweile gibt es sogar einige Firmen die den Hafer leicht einölen.
  • Verunreinigten Hafer erkennt man z.b. an Staub, Grannen, Steinchen, Mäusekot, Erde und sonstigen Verunreinigung. Auch verschiedene andere Pflanzen oder Samen sowie Mutterkorn können sehr schädlich bis giftig für Pferde sein.

Zusammensetzung: 

  • Die Inhaltsstoffe von Spelze und Korn sind pro Kilogramm z.b. 99g Rohfaser (Heu im Vergleich dazu hat die zwei bis dreifache Menge), 11,5 MJ (Megajoule) verdauliche Energie, 85g Rohprotein (Heu im Vergleich dazu hat in der Regel nur die Hälfte), als Mineralstoffe Phosphor, Magnesium, Kalium sowie Natrium und als essentielle Aminosäuren z.b. Methionin, Lysin und Tryptophan. 

Der Selbsttest:

  • Wenn du den Hafer selbst testen möchtest, sollte nach dem anfänglich mehligen Geschmack später eine Süße kommen, ähnlich wie wenn man Brot länger kaut. Sollte der Geschmack bitter sein oder bleiben könnte es an einer zu frühen Ernte, Verunreinigungen oder Pilzbefall liegen.
Fütterung mit Herz und Verstand. Bei der Qualität gilt es einiges zu beachten. © pixabay

Passt alles, dann geht es weiter zum Futtertrog

Der Hafer kann entweder gequetscht oder im ganzen Korn verfüttert werden. Bei gequetschtem Hafer muss man darauf achten, dass die Körner nicht zu fein gemahlen sind. Zum einen hat man dadurch eine höhere Staubentwicklung und zum anderen kann eine klumpige Menge im Magen entstehen.

Am Besten ist eine Mischung 1:1 aus ganzem und gequetschten Hafer. Der gequetschte Hafer ist leichter verdaulich und schneller verfügbar. Durch den ganzen Hafer muss das Pferd trotzdem noch etwas kauen und speichelt das Futter somit besser ein. Ein besseres Einspeicheln erhöht wiederum auch noch mal die Verdaulichkeit.

Eine weitere Möglichkeit die Verdaulichkeit zu erhöhen, ist es den Hafer in Wasser einweichen zu lassen und vor der Fütterung das restliche Wasser abzuschütten. Danach kann der Hafer ganz normal verfüttert werden. Achtung, falls pelletiertes Futter wie zum Beispiel Mineralfutter zugefügt wird, sollte man das eher obendrauf geben. So vermeidet man ein Aufweichen und das Festkleben im Futtertrog.

Wie viel Hafer ein Pferd bekommen sollte hängt ganz davon ab wie alt es ist, ob es noch in der Entwicklung steht und wie der Trainingsstand sowie die Arbeitsbelastung sind. Das sollte man für jedes Pferd individuell bewerten. Hier wird eine ordentliche Rationsberechnung helfen. 

Gemeinsam mit Heu gehört der Hafer zu den Grundfuttermitteln. Beide zusammen decken heute allerdings gewiss nicht mehr den ganzen Nährstoffbedarf des Pferdes ab. Auch das sollte bei der Berechnung einer Ration beachtet werden. Entsprechend müssen andere Futtermittel wie zum Beispiel ein Mineralfutter oder Rübenschnitzel, Luzerne oder Cobs zum Aufweichen in Betracht gezogen werden. Möchte man den Energieanteil in der Ration erhöhen, kann dies auch mit einem hochwertigen Öl erreicht werden. 

Des Weiteren muss man bedenken dass das Ca:P Verhältnis sehr wichtig bei der Zusammenstellung der Ration ist und ebenfalls durch andere Futtermittel ausgeglichen werden muss.

Ein Pferd im Aufbau oder Training benötigt für eine optimale Entwicklung seine persönliche Ration. Es stimmt nicht dass man viel Hafer füttert und die Muskeln dann einfach von selbst kommen. Genau das Gegenteil trifft nämlich dann ein, der Stoffwechsel wird belastet, der Körper übersäuert und die Muskulatur wird weniger gut ausgebildet.

Die Haferpflanze vor der Ernte. © pixabay

Du siehst also das ist nicht mit `ein Schippchen hier ein Schippchen da´ getan. Die Fütterung erfordert neben Know-how und Fingerspitzengefühl auch ein besonderes Interesse und ein über die Zeit geschultes Auge des Pferdebesitzers.

Hierzu biete ich einen Kurs an. Schreibe mir einfach eine Email an: info@manahorses.de und ich lasse dir die Infos zukommen.

Bist du bereit? 

Alles Liebe 

Natalie

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