Pferdetraining

Exterieurbeurteilung überraschend einfach 8 Zonen des Körpers analysieren

Pferdehalter und Reiter interessieren sich oft für die Exterieurbeurteilung beim Pferd. Doch was genau ist damit gemeint? Die Exterieurbeurteilung umfasst alle äußeren Merkmale eines Pferdes wie Größe, Muskeln, Beweglichkeit und – besonders wichtig – sein Gebäude. Dieses entscheidet maßgeblich über seine Ausstattung als Sport-, Renn- oder Arbeitspferd. Hier erfährst du alles, was du wissen musst, um ein Pferd richtig zu beurteilen.

Einleitung

Bei der Exterieurbeurteilung geht es um Begutachtung und Beurteilung von sämtlichen Körperpartien des Pferdes.

Kopf, Halsung, Oberlinie, Sattellage, Kruppe, Gliedmaßen, Hufe

Je nach Pferderasse gibt es  unterschiedliche Kriterien oder Anforderungen an das jeweilige Modell. 

So werden an einen Norweger komplett andere Ansprüche als an ein Englisches Vollblut gestellt.

Selbst bei den Reitpferden gibt es nochmal unterschiedliche Kriterien. Zum Beispiel ganz simpel zwischen Dressur- und Springpferden.

Wozu dient die Exterieurbeurteilung

Es zählen also nicht nur Leistung und Abstammung sondern auch die Exterieurbeurteilung als weiteres Kriterium in der Pferdezucht zur Selektion der Tiere.

Auch das ist eine Form von Tierschutz!

Durch die Selektion möchte man langfristig und vorausschauend nicht nur zum Erhalt der Rasse, sondern auch zur generellen Gesunderhaltung züchten.

Anders als bei Hunden geht es bei der Selektion der Pferde nicht primär um Schönheit oder Mode, sondern schlichtweg um eine funktionelle Selektion.

Wenn mich jemand fragen würde, was für mich Schönheit und Sanftmut vereint, würde ich ohne zu zögern antworten: Ein Pferd

Wer macht eine Exterieurbeurteilung

Wahrscheinlich hast du schon dein Traumpferd gefunden und liebst es mit Haut und Haar. Trotzdem kannst du dir auch im Nachhinein das Exterieur genauer anschauen.

So kannst du deinen Wissensschatz erweitern und das Training gezielter und effizienter gestalten. Letztendlich hast du somit auch die Gesunderhaltung deines Pferdes in der Hand.

Sogenannte Mängel im Exterieur können mit sinnvollem Training minimiert werden. Dies fördert eine langfristige Gesundheit des Pferdes und man wird lange gemeinsam Freude haben.

Falls du noch auf der Pferdesuche bist, kannst du jetzt im Voraus schon sehen, was es bei der Pferdewahl zu beachten gilt. Denn in meinen Augen sollten nicht nur professionelle Züchter auf die Beurteilung zurückgreifen, sondern auch private Pferdehalter

Ich zeige dir in diesem ausführlichen Blog alles was du zur Exterieurbeurteilung wissen musst. 

Viel Spaß dabei und schreibe deine Fragen gerne in die Kommentare

Ex Galopperin Jallah auf dem Weg zum Reitpferd. Nach drei Monaten Ausbildung außerhalb der Rennbahn sind wir schon ein ganzen Stück weiter gekommen. Mängel im Exterieur lassen sich gut ausgleichen und auch das Interieur (Ruhe, Fleiß, Strebsamkeit) wirken sich positiv auf die Ausbildung aus.

Welche Kriterien werden bei der Exterieurbeurteilung berücksichtigt

Format des Pferdes

Als erstes bestimmt man bei der Exterieurbeurteilung das Formates Pferdes. Das bedeutet ein Rechteck oder Quadrat gemessen von Hufsohle bis Widerrist sowie von Buggelenk bis Sitzbeinhöcker.

Bei einem Rechteckpferd ist die Länge des Pferdes länger als die Höhe. Das sind die typischen Reitpferde. Unter den Galopprennpferden sind es die Steher.

Diese Pferde haben zwar  mehr Raumgriff, allerdings kann es schwieriger sein die Biegung zu erarbeiten. Oftmals fallen diese Pferde auch schneller auseinander, sprich sie sind schwieriger in die Versammlung zu Reiten.

Bei einer Stute für die Zucht ist das überaus wünschenswert. Hier hat das Fohlen mehr Platz im Bauch.

Bei den quadratischen Pferden sind die Maße etwas anders. Sie sind so lang wie hoch.

Oftmals trifft das bei Arabern, Spaniern, Quarterhorses oder auch den Sprintern unter den Vollblütern zu.

Diese Pferde sind wendiger und leichter in die Versammlung zu reiten. Das kann man sehr gut im Westernreitsport oder bei der Working Equitation mit Spaniern erkennen.

Zum Format des Pferdes gehört nicht nur die Seitenansicht, sondern auch die Breite des Pferdes. Je breiter ein Pferd gebaut ist, desto leichter fällt die Balance.

Zum Vergleich kannst du zum Beispiel Fjordpferde, Haflinger und Kaltblüter als Gebirge-, Holzrücke- oder Arbeitspferde nehmen. Auch im Reitanfänger und Therapiebereich werden sie gerne eingesetzt.

Vollblüter dagegen sind teils schmaler und dadurch schwammiger zu Reiten. Sie brauchen länger um in ihre Balance zu kommen und gefestigt zu sein.

Vollblutwallach 4jährig. © Natalie Maholick
Vollblutwallach ein Jahr später. © privat

Das Leistungsdreieck

Das Leistungsdreieck dient vor allem dazu den Raumgriff zu bestimmen

Es wird auf die Seitenansicht des Pferdes eingezeichnet. Am Boden befindet sich die sogenannte Unterstützungslinie. Die beiden Schenkel des Dreiecks verlaufen durch Schulter- und Beckenlinie.

Je größer die Unterstützungslinie am Boden ist, desto größer ist auch der Raumgriff.

Exterieurbeurteilung Leistungsdreieck
Das Leistungsdreieck dient zur Bestimmung des Raumgriffs bei Pferden.

Der Kopf

Mehr für die Optik als für den Zweck wünscht sich ein Reiter eine schöne Kopfform. Diese kann rassetypisch natürlich ganz unterschiedlich ausfallen und dementsprechend passender oder unpassender sein. 

In jedem Fall spricht ein klares und ruhiges Auge auch für ein ausgeglichenes Wesen. Pferde mit einem Fischauge (man sieht das Weiß etwas mehr oder weniger raus schimmern) textet man oft ein hektisches Gemüt an. Dies ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

Bei den Ganaschen hingegen geht es nicht nur um die Optik. Hier können bei zu engen oder sehr fleischig bestückten Ganaschen Probleme bei der Beizäumung auftreten. Den Pferden fällt es dadurch schwer den Kopf an der Senkrechten zu tragen. Auch bei der Stellung können durch das Quetschen der Ganaschen Probleme bzw. ein Unwohlsein auftreten. Die Neigung des Kopfes wird ab einem bestimmten Punkt blockiert.

Dies tritt zum Beispiel häufig insbesondere bei Robustrassen auf. Das heißt natürlich nicht, dass diese Pferde keine Reitpferde sind oder sein können. Im Gegenteil, man kann aus jedem Pferd etwas richtig tolles machen.

Ein klares und ruhiges Auge spiegelt oft ein zufriedenes Pferd wieder. © Natalie Maholick

Der Hals

In der Pferdezucht wünscht man sich einen mittellangen Hals mit breitem Ansatz und deutlicher Verjüngung zum Hals hin (Ganaschenfreiheit).

Idealerweise ist er konvex gebogen (Verhältnis 1,2:1) oder mindesten gerade.

Einen Hirschhals, Axthieb, Unterhals oder andere unschöne Halsungen sind nicht erwünscht

Für die Dressur zum Beispiel wäre das ein absolutes No Go.

Bei einem langen Hals kann sich das Pferd leichter entziehen und ist oft schwammiger in der Anlehnung.

Dies erfordert natürlich mehr Training als bei einer optimalen Ausgangslage.

Ein höher angesetzter Hals entspricht eher den Reitpferdepoints. Bessere Anlehnung und meist leichtere Versammlung, da die Schulter freier in der Bewegung sein kann.

Ein tiefer angesetzter Hals, wie man ihn oft bei Vollblütern und Quarterhorses sieht, bringt häufig flache Gänge mit sich. Diese bringen wiederum eine größere Belastung der Vorhand mit sich.

Der Pferderücken

Der Pferderücken besteht aus ⅓ Vorhand, ⅓ Mittelhand und ⅓ Hinterhand. Vor allem Vorhand und Hinterhand sind die Pfeiler der Brückenkonstruktion.

Die Mittelhand ist quasi die Brücke, sie befindet sich zwischen den beiden Pfeilern.

Wichtig ist es sie genügend zu stärken um das Reitergewicht zu tragen und langfristig keinen Schaden zu nehmen. Sie sollte in keinem Fall hängen.

Es gibt einige Pferde mit einem angeborenen Senkrücken. Dieses möchte man beim klassischen Reitpferd eigentlich nicht, jedoch können diese Pferde mit sehr gutem Training auch als Reitpferde eingesetzt werden.

Der Rücken des Pferdes benötigt sowohl genügend Stabilität durch die Muskulatur als auch Flexibilität.

D.h. beim Training des Pferdes muss man auf einen korrekten Aufbau der Muskulatur achten. Das Zusammenspiel aus Rücken- und Bauchmuskulatur muss jederzeit ausgewogen sein.

Die Muskulatur des Bauches wird leider oftmals zu sehr vernachlässigt. Dabei ist es genau diese die den Rücken nach oben bringt.

Wer in jungen Jahren einen guten Aufbau leistet, hat lange Freude an seinem Reitpferd. Hier eine zweijährige Vollblutstute. © Natalie Maholick

Der Widerrist

Der Widerrist kann so manchen Sattelkauf zu Odysee machen.

Als Reitpferd bietet sich ein gut sichtbarer und weit in die Sattellage reichender Widerrist an. Hierdurch erhält das Pferd eine gute Sattellage und die Suche nach dem perfekten Sattel wird einfacher.

Manche Pferde haben einen sehr stark ausgeprägten Widerrist. Er ähnelt eher einer Haiflosse. Hierbei muss man sich dann auf weit nach hinten ausgeschnittene Sättel konzentrieren.

Liegen Widerrist und Kruppe von der Seite gesehen auf einer Höhe ist das Pferd `normal´ gebaut.

Liegt er Widerrist niedriger als die Kruppe spricht man generell von einem überbauten Pferd.

Bei jüngeren Pferden gleicht sich dieses meistens noch aus. Bei älteren Pferden sieht das schon anders aus; wobei auch hier die Möglichkeit besteht durch gutes Training den Brustkorb frei zu machen und anzuheben. Man sieht nach einem guten und intensiven Training, dass der Widerrist weiter hoch kommt.

Die Schulter

Ein guter Widerrist in Kombination mit einer guten Schulter spricht in den meisten fällen für eine optimale Bewegungsfreiheit.

Ist diese Bewegungsfreiheit gegeben, kann das Pferd sehr gut auf die Hinterhand gesetzt werden. Sprich es kommt ins Gleichgewicht, in dem die Hinterhand mehr Last aufnimmt.

Manche Pferde haben eine sehr steile Schulter. Man sieht in den Bewegungen oft einen stumpfen Ablauf. Diese abgestumpften Bewegungen bringen leider auch einen höheren Verschleiß der Gliedmaßen mit sich.

Insbesondere muss man bei diesen Pferden immer gut auf einen anständigen Trainingsplan achten.

Eine gute und freie Schulter sorgt für eine gute Aktion beim Springen. © Natalie Maholick

Das Fundament

Als Fundament bezeichnen wir die Beine des Pferdes. Es sind quasi die Pfeiler auf denen das Pferd steht und geht.

Hier wünscht man sich eine korrekte Stellung sowie eine optimale Winkelung und klare Gliedmaßen.

Bei älteren Pferden kann man im Bereich der Fesseln oftmals leichte Schwellungen sehen. Diese bezeichnet man allgemein als Gallen, jedoch sollten solche Problematik sicherheitshalber von einem Tierarzt abgeklärt werden.

Je nach Diagnose kann man hier gut unterstützen.

Stehst du allerdings vor dem Pferdekauf, insbesondere eines Jungpferdes, solltest du dir wirklich überlegen ob die Arbeit mit diesem Pferd Sinn macht.

Ausschlaggebende Korrekturen über die Hufstellung können nur bei Fohlen in den ersten sechs Lebensmonaten adäquat korrigiert werden.

Danach muss man auch ständig am Ball bleiben. In höherem Alter sind diese Korrekturen nur zur Minderung einer Verschlechterung. Eine grundlegende Korrektur ist dann nicht mehr möglich.

Durch Training und gegebenenfalls einen unterstützenden Beschlag kann dem Pferd langfristig sehr gut geholfen werden.

Fazit zur Exterieurbeurteilung

Ich hoffe der Einblick in die Exterieurbeurteilung hat dir gefallen und du konntest für dich und dein Pferd oder den zukünftigen Pferdekauf etwas herausziehen.

Wenn du nun ein besseres Verständnis von der Exterieurbeurteilung hast, solltest du auch die Ergebnisse in dein Training mit einbeziehen. Natürlich ist die Zuchtauswahl ist sehr wichtig für das Wohl des Pferdes, aber es lohnt sich auch oder insbesondere bei Mängeln in gesunderhaltendes Training zu investieren. Beides zusammen hat einen großen Einfluss auf den Erfolg im Sport.

Hattest du bereits Kenntnisse über diese Thematik? Lass es mich unten in den Kommentaren wissen!

Bis bald

Natalie

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.