Pferdegesundheit

How to: Pferde richtig waschen

Wer kennt es nicht? 

Es ist warm, das Pferd ist verschwitzt oder verdreckt, manchmal auch beides. Putzen oder waschen? Spätestens bei dieser Frage scheiden sich die Geister.

Wann darf man man überhaupt welche Stellen waschen und was kann man beachten um eine runde Sache aus der Waschung zu machen.

Heute gebe ich dir einen Einblick in meine Pferdewaschpraxis von Sommer bis Winter und von jung bis alt.

Teile anderen deine Erfahrungen im Kommentar mit

Wasser marsch!!! Doch wo fangen wir an?

  • Gewöhnung an Wasser / Abspritzplatz
  • Sicherheit
  • Notwendigkeit des Waschens
  • Kreislaufschonender Ablauf 
  • Notfälle
  • Pflegemittel
  • Winterwäsche

Gewöhnung an Wasser

Kennt das Pferd noch gar kein Wasser, empfehlen sich erstmal einige Übungen. Im Gestüt haben wir hierzu zB immer erst das Stehenbleiben am Waschplatz geübt. Das Pferd haben wir mit dem Schlauch ohne laufendes Wasser  berührt. Du kannst auch einfach das Wasser etwas anmachen und laufen lassen (Gewöhnung an Geräusch) Das Pferd wird dabei nur abgebürstet oder ähnliches.

Das kann man von Pferd zu Pferd sehr individuell angehen, je nachdem ob es Scheu vor Wasser und / oder Schlauch hat. 

Später beginnt man die Vorderhuf und Beine abzuspritzen. Hier sollte man mit Bedacht aber auch nicht zu vorsichtig ran gehen. Letztendlich muss das Pferd die Sicherheit des Menschen merken. 

Beruhigendes totreden mit zittriger Stimme ist hier nicht der ausschlaggebende Erfolgsgarant. Auch wenn das Pferd etwas hin und her tippelt, sollte man weiter bei seiner Arbeit bleiben und sich nicht beirren lassen. Zwei, drei Schritte nach vorne korrigieren und wieder an den Hufen beginnen.

Nach und nach kann man mehr Körperpartien dazu nehmen und schon bald lässt sich auch ein Jungpferd ganz versiert duschen.

Sollte ein älteres Pferd Probleme mit dem Wasser zeigen, ist das auch ein guter Lösungsweg.

Wichtig ist lieber in kleinen Schritten zu arbeiten und mit einem Erfolgserlebnis und Entspannung zu enden, als um jeden Preis ein nasses Pferd zu haben.

Manche Pferde lieben es sogar den Kopf abgespritzt zu bekommen. Alle anderen kann man abschwammen.

Sicherheit

Sollte für dich immer an erster Stelle stehen – DEINE Sicherheit!

Ich weiß wir Reiter sind aus einem anderen Holz geschnitzt, aber auch nicht unverwundbar und manche Dinge dauern einfach lange bei der Ausheilung.

Natürlich sollte deinem Vierbeiner bei der Waschaktion auch nichts passieren.

Strick nicht um die Hand wickeln

Hier meine Tipps für´s Safety Cleaning:

  • Pferd nicht unbedingt anbinden (je nach Pferd und Anbindemöglichkeit ggf. nur eine lockere Schlaufe oder den Strick drei Mal um den Balken wickeln)
  • Zweite Person bei schwierigen Pferden oder das Pferd zusätzlich am Strick halten
  • den Schlauch nicht als Wickelinstrument einsetzen (auch hier kann sich ein Pferd aus Reflex schnell erschrecken und beim zusammenzucken auf dem nassen Untergrund wegrutschen) 
  • Immer seitlich am Pferd arbeiten und nicht vor oder hinter dem Pferd 
  • Strick nicht um die Hand wickeln

Fällt dir noch ein Tipp ein?

Stellt euch immer so zum Pferd, dass ihr es gut beobachten könnt und nicht im Schussfeld steht.

Notwendigkeit

Hier scheiden die Geister und in der Natur wird auch nicht gewaschen, doch ich verrate dir, warum ich gerne zum Schlauch greife:

Ich liebe saubere Pferde!

Ich hasse einfach nichts mehr wie mehr als verklebte und verkrustete Pferde und mir kann auch keiner erzählen, dass sich ein Pferd wohl fühlt, wenn der schwitzige Pelz juckt. Ich gehe nach dem Sport auch duschen und du?

Pferde und Equipment gehören gepflegt und nach jeder Benutzung adäquat gereinigt. So bürste ich zB auch Schabracken und Gamaschen immer ab und kämme das Lammfell aus. Gebisse abspülen und evtl über eine verschwitzte Trense mal mit einem Lappen und Pflege überwischen.

Falls es zu kalt zum Duschen ist, hilft auch das Abschwammen mit einem feuchten Schwamm. Mehr dazu in der Winterpflege.

 

Kreislauf schonender Ablauf

Um den Kälteschock besonders im Sommer gering zu halten, beginnt man in folgender Reihenfolge:

  • von unten nach oben
  • von rechts nach links
  • von hinten nach vorne

Ich beginne allerdings aus Sicherheitsgründen am Vorderbein, damit das Pferd jeweils weiß, dass es los geht. 

Also vorne etwas nass machen, dann nach hinten beide Beine und wieder vorne. Auf der rechten Seite arbeite ich mich dann am Hinterbein hoch, am Bauch entlang bis zum Hals hoch und das selbe auf der der anderen Seite.

Mir ist vor allem aufgefallen, dass die Pferde so viel ruhiger stehen und das Waschen scheinbar auch entspannt genießen können.

Notfälle

Natürlich waschen wir nicht nur zur Freude, manchmal ist es auch notwendig zB bei Überhitzung, nach Verletzungen oder bei anhaltenden Problemen wie Sehnenschäden und Co.

Besonders bei Überhitzung ist es wichtig, nicht sofort das Pferd mit Wasser zu übergießen, sondern auch hier langsam anzufangen. 

Am besten legt man eine nasse Decke oder ein großes durchnässtes  Handtuch auf den Pferderücken um es langsam und stetig herunter zu kühlen.

Bei Verletzungen hilft oft kühlen und abspülen um kleinere Blutungen etwas zu verlangsamen. 

Achtung: es blutet immer etwas nach und das ist notwendig für Gerinnung und Bildung einer schützenden Kruste.

 

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Größere Verletzungen gehören in die Hände eines Tierarztes – insbesondere, wenn man keine Kenntnisse in der Wundversorgung hat. Bitte beachtet das immer!

Langfristige Probleme, wie zB Sehnenschäden oder angelaufene Beine kann man immer gut selbst mit dem Kühlen unterstützen.

Hierzu könnt ihr mit dem Wasserstrahl von unten nach oben arbeiten und das Gewebe `ausstreichen´. 

Somit wird der Lymphfluss angeregt.

Pflegeprodukte

Weniger ist mehr! Ich wasche nur selten mit Shampoo, meist im Frühjahr zwei drei Mal hintereinander um den ganzen Winterdreck heraus zu bekommen und ansonsten nur sporadisch. 

Im Sommer bzw generell bei warmen Temperaturen wasche ich die Schweißstellen nach der Arbeit gut mit Wasser ab, damit sich die Fliegen nicht ganz so angezogen fühlen und nur selten mit Shampoo.

Anschließend kann man zur Erfrischung noch mit Essig abreiben (ganz normaler Essig aus dem Discounter).

Die Hufe pflege ich gerne nach dem Waschen mit um die Feuchtigkeit etwas im HUf zu behalten. Mache ich auch nur ein bis zweimal die Woche mit ganz normalem Olivenöl oder einer Feuchtigkeitspflege von Carr Day & Martin (gelbes Etikett). Für spröde und rissige Hufe nehme ich von selbiger Marke Cornucrescine (unbezahlte Werbung).

Das regt zusätzlich auch das Hufwachstum an, falls gerade jemand züchten will oder muss. auch super bei der Umstellung auf Barhuf.

Wer die Möglichkeit hat in einem See oder Fluss zu baden, sollte es unbedingt einmal probieren.

Winterwäsche

Im Winter gestaltet sich das Waschen meist etwas schwieriger. Die wenigsten haben warmes Wasser und ein Solarium am Stall.

Doch was wäre, wenn man das alles nicht braucht?

Richtig gelesen, denn auch ich hatte nie fließend warmes Wasser und ein Solarium zur Verfügung. Das braucht es auch nicht zwingend. 

Mir reicht es im Winter mit heißem Wasser und einem guten Schuss Essig die Pferde ordentlich an den verschwitzten Stellen abzuschwammen und dann ordentlich eindecken. Wenn die Decke nass ist, sollte sie nochmal gewechselt werden.

Vorteil ist, dass auch so das Fell immer schön sauber bleibt und die Poren nicht so schnell verkleben. Zusätzlich beugt man mit ausreichender Hygiene auch Pilzbefall vor.

Die Pferde fühlen sich frisch und gerade bei den Kandidaten, die nicht so gern geputzt werden, ist das eine tolle Alternative.


Ich hoffe, dass ich dir einen guten Einblick ermöglicht habe und du dir etwas aus meiner Waschpraxis mit in deine Pferdepflege adaptieren kannst.

Viel Erfolg und bis bald

Natalie

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