Pferdefütterung

Heufütterung

Zu einer guten Pferdehaltung und passendem Fütterungsmanagement gehört an oberste Stelle die Fütterung von Heu.

Ohne Heu ist alles nichts sozusagen…

Doch ganz von vorne, was ist Heu überhaupt?

Heu für Pferde (und andere Tiere) zählt zu den Grünfutterkonserven, sprich ein Grünfutter welches für die Pferdefütterung längerfristig aufbereitet und haltbar ist.

Schon vor der Fütterung gibt es einiges was es zu beachten gilt. Angefangen bei der richtigen Gräsermischung über die optimale Ernte bis hin zur Lagerung.

Wiesenheu enthält neben verschiedenen Gräsern im besten Fall auch Hülsenfrüchte und Kräuter.


Die Heuernte:

Bei der Ernte sollte das Gras  nicht zu tief gemäht werden. Zum einen schützt es den stehenbleibenden Teil und zum anderen bleibt der abgeschnittene Teil frei von Verunreinigungen durch Sand und Erde.

Der Schnitt sollte in der Pferdefütterung immer der 1. Schnitt sein. Man unterscheidet den Schnitt vor der Blüte, hier ist das Gras noch sehr gehaltvoll und sehr gut geeignet im Bereich der Pferdezucht, bei Hochleistungssportlern oder für Vollblüter und generell schwerfuttrige Pferde.

Das Heu nach der Blüte ist etwas überständiger und weniger gehaltvoll, aber qualitativ nicht schlecht. Vorteil hierbei ist, dass die Pferde mehr kauen müssen und das Heu oft lieber mögen als ganz `weiches´ Heu.

Beim Testen der Griffigkeit hat es meist mehr Struktur.

Nach dem Mähen wird je nach Witterung ein bis zweimal pro Tag gewendet und nach einigen Tagen mit einer Restfeuchte von 20% gepresst oder gewickelt. In den kommenden Wochen schwitzt das Heu aus und muss vor der Fütterung eine Restfeuchte von 15% erreichen. Deshalb darf frisches Heu nicht sofort verfüttert werden. Kolikgefahr!

Falls die Ballen zu dicht gestapelt werden und oder die Restfeuchte nicht sinkt, kann Schimmelbildung begünstigt werden und das Heu nimmt stark an Qualität ab und wird unbrauchbar.


Die Heuqualität:

Die Qualität kann man an einigen Parametern festhalten und ich möchte dir einen kleinen Leitfaden zur Beurteilung von Heu an die Hand geben.


Farbe:

  • Frisches, grünes Heu lässt auf einen hohen Nährstoffgehalt durch günstige Erntebedingungen schließen.
  • Blasses oder bleiches Heu (fast farblos) hatte oft eine spätere Ernte, kann während des Trockenvorgangs Regen abbekommen haben oder einfach zu lange gelagert worden sein.
  • Braunes oder schwarzes Heu ist in der Regel überhitzt, enthält wenig verdauliches Eiweiß und kaum Nährstoffe.
  • Grau weißes Heu zeigt deutlichen Schimmelpilzbefall.


Griff:

  • Fühlt sich das Heu zart und weich an, ist es stängelarm sowie blattreich und somit enthält es eher Eiweiß als Rohfaser.
  • Bei rauem Heu beginnt es sich anzugleichen. Der Anteil an Stängeln nimmt zu und somit auch der Raufasergehalt. Gleichzeit nimmt der Blätteranteil ab und dadurch sinkt der Eiweißgehalt.
  • Richtig holziges Heu hat sehr viele Stängel und wird eher ungern gegessen. Zudem ist es in der Verdaulichkeit nicht mehr so hoch
  • Fühlt sich das Heu klamm an, darf es nicht verfüttert werden. Es ist noch zu viel Restfeuchte vorhanden und kann zu schlimmen Koliken führen.


Geruch:

  • Riecht das Heu frisch und angenehm, lässt das auf gute Ernte- und Lagerbedingungen schließen.
  • Aromatisches Heu ist oft besonders kräuter- und kleereich.
  • Überhitztes Heu riecht tatsächlich eicht verkohlt. Nährstoffe, Schmackhaftigkeit, sowie Verdaulichkeit nehmen stark ab.
  • Nicht verfüttern sollte man muffiges Heu. Vorsicht Schimmelpilze!!!


Verunreinigungen:

  • Verschieden Verunreinigungen können nicht nur die Qualität mindern, sondern auch die Gesundheit unter Umständen beeinträchtigen. Beispiele hierfür sind: Stroh, Steine, Erde, Äste / Stöcke oder in der Natur belassener Müll vom Zweibeiner (Mülltüten, Getränkedosen, Hundespielzeug…)


Zusammensetzung:

  • Die Zusammensetzung ist entweder sehr grasreich (neu eingesäte Wiese und erstmaliger Schnitt) oder enthält eine vielfältige Auswahl an Kräutern und Kleesorten.


Giftpflanzen:

  • Vor allem Herbstzeitlosen, Kreuzkraut, Johanniskraut und Adlerfarn sind absolute No-Gos im Heu, aber auch noch andere Giftpflanzen sind zu beachten. Lieber einmal zu viel aufgepasst, als einmal zu wenig.


Die Heufütterung:

Endlich passt alles und das Heu ist zur Fütterung bereit. Mittlerweile vertritt man die Meinung, dass 2kg / 100kg Lebendmasse das Minimum ist. Idealerweise sollte Heu zur freien Verfügung stehen – zumindest bei den Pferden, die das vertragen. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen!!

Ziel ist es, dass durch die Raufuttermenge über den ganzen Tag verteilt keine größeren Futterpausen entstehen.

Das Pferd ist ein Dauer-Futtersucher und benötigt das zum einen als Beschäftigung, zum anderen aber auch für die Funktion seines Verdauungstrakts.

Während meiner Arbeitszeit und auch durch die Haltung meiner Pferde im eigenen Betrieb, konnte ich hierzu viel ausprobieren und so kamen auch die Heunetze in den Stall.

Leider hatte ich vor allem bei den Stuten richtige Schweine dabei. Das frische Heu wurde als Toilette verwendet in die Einstreu gemischt und der Bauch blieb leer. Richtig toll!

Also der Versuch mit den Heunetzen ein bisschen Ordnung zu schaffen und was soll ich sagen: der Versuch war in vielerlei Hinsicht mehr als gelungen.

Ich hatte Heunetze mit 5cm Abständen. Aufgehängt wurden sie mit Karabinerhaken an Strohkordeln. Die Karabiner in einer für das Pferd schlecht erreichbaren Höhe und die Netze in angenehmer Kauposition.

Wichtig ist hierbei, dass die leeren Netze dann nicht auf dem Boden aufliegen.

Das Ergebnis waren saubere Boxen, gefressenes Heu, beschäftigte und zufriedene Pferde.

Ein weiterer Nebeneffekt war das Wiegen des Heus. Ich habe das immer zur Kontrolle gemacht, nicht aus Spargründen, sondern, dass die Pferde genügend bekommen.

Auch die kleineren Stuten mit um die 450kg haben deutlich mehr als 10kg am Tag verdrückt!

Der letzte positive Effekt ist ganz klar die häppchenweise Aufnahme der Portionen, das bessere Kauen und Einspeicheln, sowie die höhere Anzahl an Kauschlägen. Letztendlich macht das die Pferde satt, zufrieden und ausgeglichen.

Ich weiß, dass nicht jeder Netze Fan ist und wahnsinnige Horrorgeschichten kursieren. Aus meiner Erfahrung kann ich weder Strangulierungen, gefressenen Heunetze noch abgeschabte Zähne bestätigen. 😉

Aber auch ohne Netz gibt es noch die Optionen von Eckraufen, Heukisten, Bottichen, Heutoys usw.

Der Markt hält für jedes Bauchgefühl eine Lösung bereit und das ist auch gut so!

Nun weiß ich aber, dass es im Reitstall oft anders hergehen kann und es für alle Beteiligten einen Mittelweg geben muss. Solltet ihr Probleme mit der Heuqualität oder Menge haben, schlaft bitte eine Nacht vor dem Gespräch mit dem Stallbesitzer darüber und überfallt ihn nicht mit hochgekochten Emotionen. Es verliert immer nur einer und das ist EUER Pferd – leider.

Es gibt eine Vielzahl an Lösungen. Oftmals kaufen Stallbesitzer das Heu auch nur ein und müssen das nehmen, was am Markt zu haben ist. Ihr könnt gemeinschaftlich eine Lösung suchen.

Sollte dein Pferd auch so ein Schweinchen sein, ist die Lösung mit Netz, Eckraufe und Co. sicherlich auch denkbar. Auch hier hältst du am besten in einer ruhigen Minute Rücksprache mit deinem Stallbetreiber.

Solltet ihr wirklich Pech haben und nicht das Bilderbuch Heu im Stall haben, kannst du Qualität und Menge auch gut mit Mineralfutter und Heu- bzw. Luzernecobs angleichen.


Ich glaube ich habe erstmal alles. Solltest du Fragen oder ein Feedback haben, freue ich mich über einen Kommentar von dir.


Alles Liebe

Natalie

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2 Kommentare

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